TRAUERREDNER WERDEN?

Wer sich mit dem Gedanken trägt, als Trauerredner arbeiten zu wollen, soll sich im Sinne einer ersten Selbstprüfung vor allem folgende Fragen stellen: 

Wovon bzw. woraus nährt sich meine grundlegende Motivation, als Trauerredner arbeiten zu wollen? 

Habe ich Freude daran, Menschen zu begegnen? Bin ich fähig, Menschen wirklich zuzuhören – in Trauer und Angst etc.? Kann ich mich auf verschiedene Charaktere einstellen? Kann ich mich in Beziehungen öffnen und auch abgrenzen? (Nähe/Distanz) 

Bin ich in der Lage, die Gefühle von Menschen zu verstehen? Bin ich fähig, die Veränderbarkeit von Emotionen einzuschätzen und die Konsequenzen derselben zu verstehen? Bin ich fähig, Emotionen in Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme anderer Personen wahrzunehmen? Bin ich fähig, gefühlsmäßige Bewertungen von trauernden Menschen als solche zu erkennen und hierbei Zentrales von Periphärem, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden? 

Kann ich unterscheiden zwischen dem, was ein Mensch expressis verbis sagt, und dem, was er damit meint? Als Trauerredner müssen wir Meister des Verstehens von »Subtexten« sein. Das bedingt Unausgesprochene ist oftmals viel zentraler im Hinblick auf die zu gestaltende Rede und Trauerfeier als das mehr oder weniger bewußt Aus- oder Angesprochene. 

Kann ich mit meinen eigenen Gefühlen konstruktiv umgehen? Bin ich in der Lage, die eigenen Gefühle zu meinen »Verbündeten« zu machen? 

Wie steht es um meine mediatorischen und »diplomatischen« Fähigkeiten? Wie gehe ich mit Konflikten und Krisen um? Kann ich Krisen wahrnehmen, erkennen und adäquat einschätzen? Wie aktiv und flexibel bin ich – angesichts von Problemen – in meinem Bewältigungsverhalten? Behalte ich auch in chaotischen Situationen einen kühlen Kopf? Kann ich mit Streß-Situationen umgehen und trotzdem noch qualitativ gute Leistungen erbringen? Wie steht es um mein Improvisationsvermögen? 

Wie steht es um mein Selbstwertgefühl? Ohne eine hohe Selbst-Wertschätzung werde ich als Trauerredner den berufsspezifischen Herausforderungen nicht gewachsen sein. 

Habe ich ein Gespür für meine Selbst-Wirksamkeit, das heißt, für das, worin und wodurch ich Einfluß und Kontrolle auf andere ausübe?